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Petrus Canisius 

Canisius war ein Diplomat von europäischem Format und eine der profiliertesten Gestalten des 16. Jahrhunderts. Er war der eigentliche Kopf der katholischen Reform, der Gesprächspartner und Vermittler bei Religionsgesprächen und Reichstagen, sowie auf dem Konzil von Trient, der unentbehrliche Berater von Fürsten, Bischöfen, Kaisern und führenden Persönlichkeiten, ein Seelsorger für das Volk, für Kinder, für Arme und Gefangene, ein begehrter Prediger für alle Zielgruppen, ein begabter Lehrer und ideenreicher Gründer von Kollegien, ein theologischer Schriftsteller, der Verfasser eines über Jahrhunderte geschätzten Katechismus und eines der namhaftesten Mitglieder der ersten Jesuitengeneration.
Canisius wirkte weit über Deutschland hinaus: nach Österreich, Schweiz, Polen, Böhmen und Italien. Die Historiker anerkennen seine hohe Sachkompetenz, seine erstaunliche Vielseitigkeit und sein diplomatisches Geschick. Die Kirche erklärte ihn zum "Zweiten Apostel der Deutschen" und sprach ihn wegen seines universalen und doch selbstlosen Einsatzes 1925 heilig und erhob ihn zum Kirchenlehrer. 

Der Mensch

Am 8. Mai 1521 wurde Peter Kanis, der spätere Petrus Canisius, als Sohn einer reichen, angesehenen Patrizierfamilie zu Nimwegen im damaligen deutschen Herzogtum Geldern geboren. Sein Vater Jacob Kanis war um eine gute Ausbildung seines Sohnes bedacht und schickte ihn deshalb nach dem Besuch der Lateinschule seiner Heimatstadt Ende 1535 zum Studium nach Köln. Um ihm eine berufliche Karriere zu ermöglichen, drängte er ihn 1539, in Löwen Kirchenrecht zu studieren. Er stellte ihm eine vermögende Braut und eine kirchliche Pfründe in Aussicht. Als Jacob Kanis an Weihnachten 1543 starb, hinterließ er seiner Familie ein reiches Erbe. Peter verwendete seinen Anteil, um in Köln die erste deutsche Jesuitenniederlassung zu gründen und deren Lebensunterhalt zu sichern.
Auf das erste Blatt seines Schulheftes hat Canisius 1538 in Köln in bemalten Großbuchstaben das Wort  PERSEVERA (Halte durch, sei beharrlich) geschrieben. Dieser für seine Standhaftigkeit und Entschlossenheit stehende Lebenswahlspruch des Canisius bildete eine Art Lebensprogramm und die Grundlage jeglichen Wirkens. Diese Festigkeit des Charakters und die Standhaftigkeit, mit der er den einmal eingeschlagenen Weg unverändert beibehielt, haben Canisius nie verlassen.
Anfang 1543 lernte Canisius Peter Faber (1506-1546), den Mitbegründer der Gesellschaft Jesu kennen. Er war von ihm, den er später als seinen zweiten Vater bezeichnete, so beeindruckt, dass er an seinem 22. Geburtstag in die Gesellschaft Jesu eintrat. Am 4. September 1549 leistete er zu Rom vor dem Begründer Ignatius von Loyola seine feierlichen Professgelübde.   

Der Reformer 

Canisius und die ersten Jesuiten im deutschen Sprachraum versuchten damals, die Kirche nicht mit Hilfe der Inquisition und nicht durch bloße Restauration, sondern von innen her zu reformieren: durch Erneuerung des Klerus, durch Jugenderziehung, durch eine solide Ausbildung der Studenten an den reformbedürftigen Universitäten und durch Öffentlichkeitsarbeit (Predigt, Bücher, Korrespondenz, Reisen und Gespräche). 
Canisius begann 1544  in Köln als erster Jesuit an einer deutschen Universität offizielle Vorlesungen zu halten. Im Oktober 1549 in Bologna zum Doktor promoviert, hielt er einen Monat später in Ingolstadt seine glanzvolle Antrittsvorlesung. 1547 traf Canisius den Augsburger Bischof Otto Kardinal Truchseß von Walsburg, der ihn als theologischen Vertreter zum Trienter Konzil (1545-63) entsandte. 1557 nahm Canisius auf Befehl Kaiser Ferdinads I. am Wormser Religionsgespräch teil, wo der Humanist Philipp Melanchthon (1497-1560) die protestantische Seite vertrat. 
Als Apostel Deutschlands leistete Canisius seinen Beitrag zur Mission der Jesuiten in Europa mit Wort und Schrift. Daneben gehörte Reisen wesentlich zu seiner apostolischen Tätigkeit, in der einen beträchtlichen Teil seines Lebens für das Wohl der Kirche zubrachte. Aufträge von Papst, Kaiser und Bischöfen sowie seiner Ordensoberen führten ihn in kirchendiplomatischer Funktion durch Deutschland, Österreich, Böhmen und die Schweiz, aber auch nach Holland, Belgien, Italien und Polen. 

Der Seelsorger

Der wichtigste Abschnitt im Leben des Canisius stellt sein Wirken als Seelsorger bzw. Theologe dar, wohl auch der Bereich, der ihn bis heute im Gedächtnis der Menschen bewahrt hat: der "Canisi" als Synonym für den Katechismus. - Die drei Katechismen waren die bedeutendste Tat des Canisius, die bis ins 19. Jh. als Lehrbücher des Glaubens und Anleitung zum christlichen Leben ihre Gültigkeit behalten haben. 
Ein Schwerpunkt im Leben  des Canisius bildet die schriftstellerische Tätigkeit. Er hat über ein halbes Jahrhundert (1543-1597) rastlos geschrieben und war ein aktueller Schriftsteller. Von ihm liegt das erste von einem Jesuiten veröffentlichte Buch vor, und Canisius steht somit an der Spitze einer langen Reihe bedeutender Schriftsteller der Gesellschaft Jesu.
Die Schriftstellerei diente - wie das Predigen, aber auch das weitere Streben in seinem übrigen Leben - ausschließlich der religiösen Belehrung des Volkes, der Förderung der theologischen Wissenschaft, der Verteidigung der katholischen Lehre und der Seelsorge. Auch ist sie von Bescheidenheit statt Angriffen auf Andersdenkende geprägt. 
Auf den Gebiet der Erneuerung des katholischen Schulwesens hat Canisius Großes geleistet, denn er lenkte den Unterricht und die Erziehung in ganz neue Bahnen. Der Umgang mit Kindern bedeutete Canisius sehr viel. Als wichtigste Voraussetzung für gelingende Katechese sah er dabei eine gewisse Freude am Beruf und eine freundliche Art des Umgangs mit Schülern. Er empfahl den Lehrern auch, sich in die Kinder hineinzudenken, in ihre Vorstellungsweise und Fassungskraft. 

Der Heilige

Die letzten Jahre  seines Lebens verbrachte Canisius in Freiburg in der Schweiz, wohin er 1580 versetzt worden war, um ein Jesuitenkolleg zu gründen. Er starb dort nach längerer Krankheit am 21. Dezember 1597.
Canisius wurde 1864  seliggesprochen, 1897 erhielt er den Titel "Zweiter Apostel Deutschlands nach Bonifatius". Am 21. Mai 1925 erfolgte die Heiligsprechung und - wegen seiner Verdienste als Schriftsteller - Erhebung zum Kirchenlehrer. Damit wurde ein Mann geehrt, der unermüdlich der katholischen Kirche gedient und die Einheit der Christen gesucht hat. Sein Gedenktag ist der 27. April.
Die Erneuerungsversuche des Canisius  müssten aus heutiger Sicht betrachtet, sein Katechismus, seine Predigten und seine schriftstellerische Tätigkeit, an den Kriterien der modernen Theologie, sein pastorales Wirken an den Maßstäben des Evangeliums gemessen werden. Seine Auseinandersetzung mit den Protestanten sollte mit den Prinzipien der ökumenischen Bewegung verglichen werden. 


Quelle: IKM / Canisius-Koordination, München 1997



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